Nicht wirklich smart, aber immerhin günstig: Oneplus Watch im Test

Wearables

Die erste Smartwatch des chinesischen Unternehmens hat ein schönes Design und gute Hardware, eine Empfehlung fällt trotzdem schwer

Mickey Manakas

Die Oneplus Watch zu empfehlen fällt trotz des schönen Designs und der für 159 Euro durchaus ansprechenden Hardware eher schwer.
Die Oneplus Watch zu empfehlen fällt trotz des schönen Designs und der für 159 Euro durchaus ansprechenden Hardware eher schwer. Foto: STANDARD / Manakas

Denkt man an Smartwatches, kommen wohl den allermeisten zuerst die Apple Watch, Fitbits Fitness-Tracker oder gar die Samsung Galaxy Watch in den Sinn. Seit einiger Zeit ist die Konkurrenz nämlich rar. Eine Tatsache, die Oneplus verändern wollte – und vorerst leider daran scheiterte. Nachdem die Community einst große Erwartungen an das chinesische Unternehmen gestellt hat, liefert es mit der Oneplus Watch nämlich keine wirkliche Alternative auf Augenhöhe.

Dabei muss sich die Hardware keinesfalls verstecken. Das Gehäuse ist aus Edelstahl, beim runden 1,39-Zoll-Display handelt es sich um ein Oled-Panel mit einer vergleichsweise hohen Auflösung von 454 x 454 Pixel. Außerdem hat die Uhr eine IP68-Zertifizierung, man kann sie also durchaus mit ins Wasser nehmen. Prominent beworben wird zudem der 402-mAh-Akku, der die Uhr bei regelmäßiger Nutzung tatsächlich bis zu eineinhalb Wochen am Leben erhält.

Das klingt im ersten Moment eigentlich ziemlich super. Allerdings nur auf dem Papier – und für manch einen vermutlich auch in der Praxis, solange man sich kein allzu smartes Nutzungserlebnis erhofft. Sucht man hingegen nach einer Apple-Watch-Alternative für Android, wird man enttäuscht (an dieser Stelle sollte erwähnt sein, dass die Oneplus Watch bisher nicht mit iOS-Geräten kompatibel ist).

Eingeschränkter Funktionsumfang

Die Funktionen beschränken sich hingegen im Wesentlichen auf die Möglichkeit, die Zeit abzulesen, Benachrichtigungen anzuzeigen und das eigene Workout zu tracken. Damit einhergehend gibt es auch die Möglichkeit, den Puls und den Sauerstoffgehalt im Blut zu messen. Allerdings dürfte es gerade für Sportlerinnen und Sportler Optionen mit deutlich größerem Tragekomfort geben. Darüber hinaus sind ein paar Gimmicks wie eine App zur Stressmessung – ja, Sie haben richtig gelesen –, ein Kompass und eine Taschenlampe mit an Bord.

Auch am Handgelenk macht die relativ große Smartwatch zumindest optisch einen guten Eindruck.
Auch am Handgelenk macht die relativ große Smartwatch zumindest optisch einen guten Eindruck. Foto: STANDARD / Manakas

Wie man vielleicht schon aus der spezifischen und kompakten Aufzählung herauslesen kann, gibt es keine Möglichkeit, Apps von Drittanbietern zu installieren. Dasselbe gilt für die Watchfaces, deren nicht allzu aufregende Auswahl ebenso auf von Oneplus zur Verfügung gestellte Designs begrenzt ist.

So weit, so gut, könnte man sagen – zumindest dann, wenn die bereits vorhandenen Anwendungen wirklich ausgereift wären. Allerdings macht es eher stutzig, warum man mit erhaltenen Benachrichtigungen meist rein gar nichts anfangen kann. Nur wenige Apps bieten die Möglichkeiten einer Schnellantwort. Meistens sieht man jedoch nicht einmal genug von der erhaltenen Nachricht, um den Inhalt abschätzen zu können. Möchte man diese dann einzeln löschen, steht man vor dem nächsten Problem: Alles oder nichts, scheint hier nämlich die Devise zu lauten. Entweder man löscht gleich alle Benachrichtigungen – oder man muss sich durch die Menge kämpfen, um zur gewünschten Nachricht zu kommen.

Kein Grund, auf die Uhr zu sehen?

Aus Frust fängt man dadurch schnell wieder damit an, bei Vibration der Uhr einfach auf das Handy zu schauen, anstatt die kaum entzifferbare Information vom Uhrenbildschirm abzulesen. Möchte man reagieren, ist der Griff in die Hosentasche nämlich sowieso notwendig.

Böse Zungen könnten sagen, dass das mitunter der Grund für die lange Akkulaufzeit sein könnte. Zudem fehlen Funktionen wie ein Always-on-Display. In Zeiten von Google- und Apple-Pay wäre außerdem die Möglichkeit zur NFC-Zahlung “nett” gewesen.

Auf der Unterseite finden sich die verbauten Sensoren, mit denen zum Beispiel der Puls gemessen werden kann.
Auf der Unterseite finden sich die verbauten Sensoren, mit denen zum Beispiel der Puls gemessen werden kann. Foto: STANDARD / Manakas

Für einige dieser Mängel verspricht Oneplus eine Lösung mittels Firmware-Update. Allerdings wirft das die Frage auf, ob man Tech-Geräte wirklich auf Basis solcher Versprechen kaufen sollte. Eine Garantie, dass diese eingehalten werden, gibt es nämlich nicht.

Die Oneplus Watch zu empfehlen fällt deshalb trotz des schönen Designs und der für 159 Euro durchaus ansprechenden Hardware eher schwer. Denn wirklich smart ist diese Smartwatch nicht. Wer sich ein konkurrenzfähiges Produkt erhofft, wird also mit großer Sicherheit enttäuscht werden. Ist man hingegen ganz bewusst auf der Suche nach einer Alternative mit begrenztem Funktionsumfang, treten die Stärken wie lange Akkulaufzeit, schönes Design und geringer Preis wieder in den Vordergrund. Will Oneplus jedoch längerfristigen Erfolg auf dem Wearables-Markt, sollten die Designer und Ingenieure dringend noch einmal zurück ans Zeichenbrett treten und ihre Herangehensweise überdenken. (Mickey Manakas, 5.7.2021)

derStandard.at

Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000127910466/nicht-wirklich-smart-aber-immerhin-guenstig-oneplus-watch-im-test?ref=rss